Meine persönliche Challenge

 

Der Großglockner Berglauf. Eine Herausforderung, eine unglaublich tolle Erfahrung, mein persönliches Highlight und wohl das Verrückteste, das ich in Sachen Sport, bzw. Laufen bis jetzt gemacht habe.

Nachdem ich im April den Vienna City Marathon über die Halbmarathondistanz gelaufen bin, haben meine Knie beschlossen, mich bei meinen läuferischen Vorhaben eine Zeit lang nicht mehr zu unterstützen.
So ziemlich alles das schneller als langsames Spazierengehen war, war schmerzhaft.
Röntgen und MR waren unauffällig, deshalb konnte ich einfach nur Ruhe geben und meine Knie schonen.
Ich war so richtig unzufrieden mit der Situation.
Bei DIMA hatte ich mich für alle Firmenläufe angemeldet und auch der Großglockner Berglauf war meine große, persönliche Herausforderung, bei der ich unbedingt starten wollte.

 

Ich habe mir 1 Monat Pause gegönnt und wirklich Ruhe gegeben. Am 5. Mai startete ich dann beim WINGS FOR LIFE Worldrun und mußte verzweifelt feststellen, das meine Pause wohl länger anhalten würde. Aus den erhofften 10 km wurde leider nichts.
Damit ich nicht ganz ohne Bewegung war, besorgte ich mir einen Hometrainer und begann regelmäßig am Rad zu fahren. 
Ein wenig Zeit bis zum 14. Juli war ja noch und ich wollte UNBEDINGT in meinem Heimatort an den Start gehen.
Je näher dieser Tag kam, je unwahrscheinlicher wurde dieses Vorhaben - für alle anderen, nicht aber für mich.
Wer mich kennt der weiß, wenn sich die Schaiderin mal was in den Kopf gesetzt hat, dann zieht sie das im Normalfall auch durch.
Ich hatte mir sogar neue Schuhe besorgt und konnte mich nicht mit dem Gedanken anfreunden diesen Lauf auf nächstes Jahr zu verschieben.
Am 22. Juni war ich so richtig motiviert, und startete einen Trainingslauf.
Zu schnell gestartet hielt ich meine 5km Laufstrecke nicht durch, aber ich blieb schmerzfrei. Das war ein gutes Zeichen.


Irgendwie kam ich aber nicht in einen ordentlichen Trainingsmodus.
Zu viel lenkte mich ab, die Arbeit zu Hause, das bevorstehende Schulende, meine Entscheidung DIMA zu verlassen..... all dies hat mich sehr blockiert.
Mein Kopf ist meine größte "Waffe". Aber die wird schnell nutzlos, wenn er voll ist, wenn er zu viel arbeiten muss.
Ich begann abzuwägen, stellte meinen Ehrgeiz in Frage. Ich wollte das Vorhaben Großglockner nicht verschieben, deshalb machte ich einen Deal mit mir selber.
Nicht mehr nachdenken, sondern kurzfristig, aus dem Bauch heraus entscheiden ob ich starte, oder nicht.
Ich wollte bis zum Morgen des Laufes zuwarten und beim Frühstück, je nach Stimmung entscheiden, ob ich starte, oder wirklich auf nächstes Jahr verschiebe.
Es war nichts so, wie ich es geplant hatte. Kein Training, kein Gewichtsverlust, kein starker Kopf....
Am 13. Juli fuhr ich mit Lilly und Georg jun. Richtung Heiligenblut.
Georg setzte ich am Weg in seinem Feriencamp ab und mit Lilly fuhr ich zu meinen Eltern weiter.
Ich war aufgeregt, aber nicht nervös.
In Heiligenblut angekommen fuhr ich noch schnell zur Expo und holte meine Startnummer.
Zu Hause wartete dann eine Überraschung: mein großer Bruder war da und er wollte auch zum Berglauf bleiben.
Jetzt war er da, mein Motivationsschub!!! Danke Hannes!!!

Ich wurde wach in der Früh und habe gelächelt. Ich wußte es, es wird funktionieren!
Unglaublich nervös war ich, und dann kam die nächste Überraschung: Freunde aus der Steiermark waren in Heiligenblut. Markus Titz startete am Vortag bei der Großglockner Bikechallenge und er und seine Familie wollten zum Start kommen und mir Glück wünschen.
Wow, das war so schön, wieder so ein Supermario-Moment, Bing Bing Bing, meine Energie!!!
Countdown, Start..... ich lief ganz gemütlich weg, lies mich ganz nach hinten fallen, und versuchte einfach den Moment zu genießen.

 

Die ersten ca. 3 km Asphaltstraße, nach 1 km dann leicht ansteigend.
Tja, wer hätte geglaubt das meine Euphorie so schnell verfliegen würde.
Schon nach dem 1. km mußte ich gehen. Meine Füße waren unglaublich schwer und ich war verzweifelt. Warum??? Ich hatte keine Ahnung. Ich wußte nur, dass ich mich dadurch nicht demotivieren lassen durfte.
Schwierig, denn noch bevor die Asphaltpassage vorbei war, also noch bevor es so richtig zur Sache ging, wurde ich vom nächsten Startblock überholt.
Ich ging weiter, versuchte immer wieder mal zu laufen, aber ich konnte meine Füße nicht motivieren.
Dann begann der "Wanderweg". Jetzt wurde es heftig. Der erste "oage" Anstieg.
Gewandert bin ich diese Strecke mit meinen Eltern und meinen Kindern zu Ostern, aber ich hatte es irgendwie kürzer in Erinnerung.
Wie auch immer, jetzt war ich nicht mehr die Einzige, die gehen mußte. Aber ich wußte auch, wenn ich das schaffen würde, dann erwartete mich oben auf der Sattelalm ein wunderschöner Ausblick und die erste Labestation.

 

Das sind noch die Fotos von der Wanderung im Mai....

 

Ich mußte ununterbrochen schmunzeln. Immer wieder schüttelte ich den Kopf und sagte mir selbst, dass dies eigentlich total schwachsinnig ist. Zum Scheitern verurteilt käpfte ich mich Meter für Meter weiter und schaffte es tatsächlich zu ersten Labe.
Was mich jetzt am meisten freute, ich konnte wieder laufen, endlich war es nicht sooo steil und ich hatte wieder das Gefühl auch wirklich an einem Laufevent teil zu nehmen.
Bis zur Bricciuskapelle ging es jetzt gut voran und wie schon den ganzen Anstieg lang erhofft, verschaffte mir diese unglaubliche Landschaft einen ordentlichen Energieschub!
An der Kapelle vorbei näherte ich mich nun dem Wasserfall.... jetzt wurde es brutal, das wußte ich. Wenn ich das schaffen würde, dann könnte ich es theoretisch bis ins Ziel schaffen.
Los gings, mit Überholverbot Schildern. Es war schmal, und steil. RICHTIG STEIL.
Ich blieb nach ein paar Metern kurz stehen, sah mich um und mußte wieder lächeln: wie verrückt bist du eigentlich?! DAS ist brutal!!!
Und es schien so unendlich lange. 
"Schritt für Schritt. Schritt für Schritt" diese Worte sagte ich mir in Gedanken vor. Die ganze Passage lang.
"Schritt für Schritt".


Als ich noch ein Kind war, gingen wir viel Wandern. Was mich damals fasziniert hat, war mein Papa. Wenn der mal los ging, dann ging er. Ich fragte ihn mal, wie er das denn schafft, mit weniger Pausen als wir und doch immer der Erste. Er sah mich an und sagte: "Schritt für Schritt"
Und ganau so machte ich es jetzt auch, mit Papas Worten in meinem Kopf.

 

Ich versuchte nicht viel nachzudenken und dann war sie plötzlich da, die nächste Labestation, der Wasserfall hinter mir,  und ich schon wieder grinsend unterwegs. Wie arg war das denn?? ICH HABE DEN WASSERFALL BESIEGT!!!!
Weiter endlich wieder laufend, sooooo schön! Die wunderschöne Landschaft entschädigt wirklich für alles. 
Zumindest dachte ich das bis zu diesem Moment.
Ein Mann überholt mich, streckt die Hand aus und meinte: "komm Krista, wir laufen ein Stück gemeinsam."

Ich schaute ihn an und sagte: "gerne, das Schlimmste haben wir ja überstanden, jetzt wirds nicht mehr steil, ausgenommen den letzten Kilometer." 

Wir bogen um eine Kurve, blieben stehen, schauten entgeistert auf den Anstieg vor uns und sagten gleichzeitig mit offenem Mund: Ach du Sch....
Ich begann wieder zu wandern und der junge Osttiroler lief weiter.
Mittlerweile störten mich die Anstiege nicht mehr, denn ich hatte schon mehr als die Hälfte hinter mir und fühlte mich wirklich gut, glücklich und grinste vor mich hin.

 

Als ich runter auf den Stausee sah, war das wieder so ein "Bing Bing Bing", Energie nachtanken und genießen. Was für eine Aussicht uuunglaublich, das ist es wert!
Und runter gings, im Laufschritt, vorsichtig, denn ich wußte, die Bergabpassagen konnten meine Knie wieder zum Jammern bringen. 
Rund um den Elisabethfelsen, und endlich war auch das Ziel in Sicht. Man konnte die Leute sogar bis hierher hören. Da oben mußte eine Stimmung sein...... wahnsinn! 
Aber es war schon heftig. Du stehst du unten, siehst nahezu senkrecht hoch und weißt genau, da mußt du jetzt rauf, komme was wolle.

 

Ich wußte, irgendwo da am letzten Kilometer würde Papa stehen und auf mich warten und mich anfeuern und es würde wieder "Bing Bing Bing" machen.
Und wenn ich das Ziel erreichen würde, dann würden dort meine Mama, Hannes und meine kleine Lilly warten. Boaaa, ich war so motiviert. Müde, aber noch immer motiviert!
Die ersten Glockner Heros, die Profis, überholten mich. Ein wahnsinn, die zwei Kenianer sind regelrecht an mir vorbei geflogen. DAS WAR NICHT MENSCHLICH!!!! Wie geht das???
Aber gut, ganz ehrlich, die mussten 20-25 kg weniger auf den Berg schleppen als ich!!!! Das sollte man auch in die Wertung einfließen lassen.
Und dann sah ich meinen Papa. Er war überglücklich, ich war überglücklich, schön war das. Ich mußte kurz für ein Foto posen und dann gings weiter. Treppe für Treppe, Papa begleitete mich ein Stück.

Als er sich entschied mit der Gletscherbahn rauf zu fahren, mußte ich wieder alleine weiter und zum ersten Mal bekam ich einen richtigen mentalen Einbruch.
Wie lange hatte ich noch? 600 Meter? Keine Ahnung, aber es war furchtbar anstrengend.
Immer wieder mußte ich den Profis Platz machen und mir selber kam es dabei vor, als würde ich wieder ganz unten anfangen.

Wenn ich so zurück denke an diesen Lauf, so stelle ich fest, dass jedes Mal, wenn ich dachte es nicht mehr zu schaffen irgendwas passierte, irgendwer meinen Weg kreuzte, sodass es mir danach wieder gut ging und ich weiter machen konnte. Genau so war es auch in diesem Moment.
Einer der Heros überholte mich, um sich ein paar Treppen weiter hinzusetzen.

Ich ging zu ihm hin und fragte ob alles in Ordnung sei. Doch er sagte nur, "es geht nicht mehr".
Ich hatte bei der letzten Labestation meine 2 kleinen Flaschen (á 100ml) mit kalten Wasser angefüllt. Ich gab ihm eine, doch er wollte sie zuerst nicht annehmen.
Ich bat ihn nochmals zu trinken. "Du bist ein Hero, du mußt da rauf" hab ich ihn versucht aufzumuntern.
Er hat mich nur entgeistert angesehen und gemeint: "ich bin kein Hero. die Heros sind schon oben."
Echt jetzt? Wie kann man so kurz vorm Ziel aufgeben? Ich hab mein letztes Quetschi aus der Tasche geholt und ihm das zusammen mit dem Wasser hingehalten. 
"DU bist ein Hero, DU bist mein Vorbild! Also nimm das jetzt bitte, dann gehts dir besser und dann laufst du da rauf!"
Ich wußte, dass ich dieses Energiezeugs nicht mehr brauchen würde, außerdem schmeckte das....., na ja, also mein Fall war es eben nicht. Und das Wasser würde ich jetzt sicher auch nicht mehr brauchen. Also war das für mich okay.
Er inhalierte also dieses Quetschi, trank das Wasser nach, stand auf, bedankte sich und lief weiter.
Wie schöööön, dachte ich mir nur. Gerne hätte ich gewußt wies ihm ergangen ist und ich hätte dem jungen Mann gerne im Ziel gratuliert, leider sollte ich ihn danach aber nicht mehr sehen.
Hörst du es wieder? "Bing Bing Bing", mein Eneregieschub! Das war eine wahnsinnig aufbauende Begegnung. 
Zum Laufen reichte es schon lange nicht mehr, aber ich stieg Treppe für Treppe, Felsen für Felsen nach oben, bis ich sie endlich sah, meine Mama, mein Bruder, die Lillyfee und Bernd, ein Nachbar. Das gab mir Kraft, ich konnte wieder lachen, es war einfach nur wundervoll!

 

 

Ich näherte mich den letzen Treppen. 15-20 Holztreppen, rauf auf die Straße. Ich stellte einen Fuß auf die erste Treppe und hatte keine Kraft mehr den zweiten dazu zu stellen. Wahnsinn, jetzt wars soweit. Ich hatte wirklich das Gefühl nix geht mehr. Meinen Kopf legte ich auf die Arme, mit denen ich mich am Geländer festhielt und wartete. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Und dann zog ich mich regelrecht am Geländer nach oben. 
Wieder sagte ich mir den Satz vor: Schritt für Schritt, Schritt für Schritt, und da war sie, die letzte Stufe.....

Ich stand auf der Straße, erschöpft, sah die ca. 50-60 Meter ins Ziel, der Moderator der mich ansprach: "komm Krista, letzte Kräfte mobilisieren, du hast es gleich geschafft."
Und ich begann zu laufen, wie damals beim VCM, nur diesmal lief ich lachend durchs Ziel!!!
Es war unglaublich, ich hatte es tatsächlich geschafft, ohne Training bin ich unverletzt und schmerzfrei nach 3 Std. 56 min ins Ziel gelaufen!!! 
Das war so krass, so krank, so unvorstellbar, ich war so stolz auf mich, sah meine Familie, viel Papa um den Hals und heulte los, vor Glück, vor Erschöpfung, Erleichterung.
ICH WAR EINFACH NUR GLÜCKLICH!



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Kommentare: 2
  • #1

    Pechmann Franz (Montag, 05 August 2019 13:06)

    Auch wenn es schwierig ist eine Stimmung zu beschreiben hast du deine Stimmungsschwankungen ganz toll beschrieben!!
    Vielleicht für Aussenstehende die nicht dabei waren schwer nachvollziehbar. Für mich,der die Strecke kennt, und du,als meine Tochter dran teilnehmend ist alles fühlbar und ich teile deine Tränen mit den meinen beim Lesen deiner Schilderungen. Bin stolz auf dich und freu mich mit dir!!!

  • #2

    Ingrid (Montag, 05 August 2019 13:11)

    Wir sind sooo Stolz auf dich �