Der neue Weg

Vor langer Zeit, als es mir nicht so gut ging, habe ich diese Karte von meinem Papa bekommen.
Ich habe sie bis heute aufgehoben und jedes Mal, wenn ich ein kleines oder größeres Tief habe, lese ich sie mir durch, heule, und fühle mich danach besser.
Ich führe Diskussionen mit Gott, schimpfe ihn, hinterfrage ihn, und warte auf eine Erleuchtung.
Ja, mein Glaube an Gott hilft mir oft, und irgendwie redet es sich mit ihm oft einfacher als mit einer Person die mir gegenüber sitzt.
.....

So, dieses Mal ein "dramatischer" Einstieg.
Ich wurde gestern gefragt, wieso ich schon so lange nichts mehr geschrieben habe.
Berechtigte Frage!

Die letzten Wochen waren sehr durchwachsen.
Es hat sich einiges verändert und ich musste mir über so manches klar werden.
Schön langsam wird es ein wenig ruhiger und ich kann, mit ein wenig Abstand, darüber schreiben.
Also - liebe Stalker - viel Spaß beim Lesen.

Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch, mit Hang zum Perfektionismus. Das war ich schon immer, zumindest so lange, wie ich mich erinnern kann.
Für mich war es auch immer wichtig "Karriere" zu machen, auf keinen Fall abhängig zu sein von Jemandem, schon gar nicht finanziell.
Deshalb hat mich meine Arbeit schon immer sehr vereinnahmt. Wenn ich einen Job hatte der mir gefiel, so habe ich mich immer mit vollem Elan eingebracht.


*** Rückblick ***
Bevor ich mir Tim, meinem ältesten Sohn schwanger wurde, arbeitete ich im Magna Racino als Assistentin der Geschäftsleitung. 
Für mich war es ein Traumjob, sehr sehr fordernd und ich ging so richtig auf in der Rolle als organisierende Kraft im Hintergrund.
Dann wurde ich schwanger und so schön diese Nachricht auch war (die Schwangerschaft war übrigens auch gewollt), so sehr hat sie mir dann schlussendlich den Boden unter den Füßen weggezogen.
Plötzlich waren all meine Ängste geballt präsent. Ich wusste, jetzt würde ich bald aufhören zu arbeiten, kein eigenes Geld mehr verdienen, somit abhängig sein von einem Mann..... Furchtbare Gedanken!
Schlimm, ich weiß, aber so habe ich das damals empfunden.

Anfang dieses Jahres habe ich langsam gemerkt wie mich die 4fach-Belastung Mutter - Haushalt - Hof - Arbeit langsam müde macht.
Zu Hause wurde ich mit meiner Arbeit nicht mehr fertig, in der Arbeit blieb immer wieder Einiges liegen und die Stimmung in den 4 Wänden hörte nicht mehr auf zu Knistern.
Ich war nur mehr gestresst, die Kinder gereizt und mir wurde klar, dass nur ich etwas an dieser Situation ändern konnte.
Es war an der Zeit Prioritäten zu setzen um Stress zu vermeiden. Das ich im Privaten nichts kürzen konnte war völlig klar, also habe ich mich dazu entschieden meine Stelle bei DIMA zu kündigen.
Es war keine Entscheidung ob ich das als Krista möchte oder nicht, es war eine Entscheidung für die Familie.
Leicht gefallen ist mir dieser Schritt allerdings nicht. Wie oben schon geschrieben ist mir Arbeit immer sehr wichtig gewesen. 
Ich bin keine Instinktmama*, die voll und ganz in der Hausfrau- und Mutterrolle aufgeht. Es erfüllt mich nicht ausschließlich zu Hause bei den Kindern zu sein.
Seien wir mal ehrlich, es ist einfach der undankbarste und am wenigsten wertgeschätzte Vollzeitjob den man sich vorstellen kann. Mama und Hausfrau - ein Wahnsinnsjob und so unglaublich wichtig, aber nur ganz wenige sehen, was hier geleistet wird.
Und genau diese Wertschätzung hat mir die letzten Jahre so gefehlt! Im Job ist das anders. Es werden Projekte abgeschlossen, Aufgaben erledigt, da geht sprichwörtlich was weiter, das jeder mitbekommt, in den meisten Fällen halt, bei DIMA war es auf jeden Fall so.
Und jetzt hatte ich mich dazu entschlossen die mir so wichtige Wertschätzung an den Nagel zu hängen, um mich wieder voll und ganz auf die Familie, vor allem die Kinder zu konzentrieren.

High Heels wurden also wieder gegen Gummistiefel getauscht und noch nie hatte ich das Gefühl so dermaßen versagt zu haben. Ich hatte es nicht auf die Reihe gebracht, Familie und Job unter einen Hut zu bekommen.

Diese Entscheidung liegt jetzt genau 4 Monate zurück und erst jetzt beginne ich mich langsam wohl zu fühlen und meine Entscheidung zu akzeptieren.
Und dies war der Grund für die lange Schreibabstinenz. Wenn mich etwas sehr beschäftigt, dann ist mein Kopf blockiert. Dann fehlt mir die Kreativität, dann kann ich nicht laufen, dann geht eigentlich nichts so richtig.
Wie habe ich es also geschafft mich wieder zu motivieren?
Tja, auch wenn ich keine Instinktmama bin, wenn ich sehe wie sich meine Kinder freuen das ich zu Hause bin, wenn ich sehe, wie alles langsam wieder "funktioniert", der Alltag entspannter wird, die Kommunikation in der Familie wieder aus dem Winterschlaf erwacht, dann weiß ich, es war die einzig richtige Entscheidung!


Und dann gibt es da ein paar wenigen Menschen, die immer da sind, die zuhören und dich einfach nur in den Arm nehmen.
UND: ein wunderbarer Satz eines Freundes, den ich gefragt habe, was man denn macht, wenn man seinen verlorenen Weg nicht mehr findet.
Die Antwort: Warum suchst du einen verlorenen Weg? Fange einfach einen neuen an!

 

Die ersten Schritte meines neuen Weges habe ich schon hinter mich gebracht und wie es weiter geht, das weiß niemand.
Allerdings habe ich mir fest vorgenommen nicht zu viel darüber zu spekulieren und einfach die nächsten Wochen und Monate auf mich zukommen zu lassen.
Übermorgen beginnt die Schule, in einer Woche starte ich wieder beim Charity Run in Wien, in einem Monat steht eine Operation ins Haus.... ich lasse mich überraschen und bin überzeugt davon, das das neue Jahr ruhiger wird!**

 

 

 

* So nenne ich die Frauen, die einfach alles im Gefühl haben und für die es die absolute Erfüllung ist einzig und alleine Mama zu sein. Ich bewundere diese Frauen und manchmal bin ich sogar ein wenig neidisch!

**  DAS sage ich jedes Jahr wenn es sich dem Ende neigt, bis jetzt war es nie so 😉 😂



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Kommentare: 1
  • #1

    Marion (Samstag, 07 September 2019)

    Du bist eine so wundervolle Frau! Ich kann dich nur zu gut verstehen..wobei ich keine Karrierefrai bin ..allerdings auch keine Instinktmama....im Gedanken bei dir und dich fest drückend auf ein Treffen hoffend...hdl wie die Kids schreiben täten